Hüftschwung
Bewegung als Schlüssel zu mehr Lebensqualität
Text: Annika Schmied

Die Coxarthrose (Hüftabnützung) ist eine degenerative Erkrankung des Hüftgelenks und zählt zu den häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Durch den fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels kommt es zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer verminderten Lebensqualität. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit der Erkrankung deutlich an. Schätzungen zufolge entwickelt etwa jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens eine symptomatische Hüftarthrose.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Alter, Übergewicht, genetische Veranlagung, frühere Verletzungen sowie angeborene oder erworbene Fehlstellungen wie eine Hüftdysplasie oder ein Engpass- Syndrom der Hüfte Auch eine dauerhaft hohe mechanische Belastung des Hüftgelenks kann die Entstehung einer Arthrose begünstigen.
Stabil und beweglich
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und besteht aus dem Oberschenkelkopf sowie der Hüftgelenkspfanne. Beide Gelenkflächen sind von hyalinem Knorpel überzogen. Dieser wirkt wie ein Stoßdämpfer, verteilt die auftretenden Kräfte gleichmäßig und ermöglicht nahezu reibungsfreie Bewegungen. Unterstützt wird das Gelenk durch die Gelenkkapsel, kräftige Bänder und die umgebende Muskulatur, die gemeinsam für Stabilität und Beweglichkeit sorgen.
Warnsignale
Im Verlauf einer Coxarthrose kommt es zu einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels. Gleichzeitig verändern sich der darunterliegende Knochen, die Gelenkkapsel, sowie weitere Gelenkstrukturen. Typisch ist außerdem eine Verschmälerung des Gelenkspalts.

Zu den ersten Beschwerden gehören belastungsabhängige Schmerzen in der Leiste, im Gesäß oder an der Oberschenkelvorderseite. Viele Betroffene berichten außerdem über einen sogenannten Anlaufschmerz nach längerem Sitzen oder Liegen. Im weiteren Verlauf nimmt die Beweglichkeit zunehmend ab, insbesondere die Innenrotation und die Hüftbeugung sind häufig eingeschränkt. Auch die Gehstrecke verkürzt sich und viele Patientinnen und Patienten entwickeln ein Schonhinken. In fortgeschrittenen Stadien können zusätzlich Ruhe- und Nachtschmerzen auftreten, wodurch die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt wird.
Eine ärztliche Abklärung sollte erfolgen, wenn bei Personen über 45 Jahren belastungsabhängige Hüftschmerzen gemeinsam mit einer Morgensteifigkeit von weniger als 30 Minuten auftreten. Zur Diagnosesicherung stellt die Röntgenaufnahme nach wie vor die wichtigste bildgebende Untersuchung dar.
Passive Therapie
Die konservative Therapie stellt die erste Behandlungsoption bei Coxarthrose dar. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Gelenkfunktion zu verbessern und die Mobilität möglichst lange zu erhalten. Die Physiotherapie kombiniert dabei passive Maßnahmen mit einer aktiven Bewegungstherapie.
Zu den klassischen passiven Techniken gehören Gelenkmobilisationen, Kapselmobilisationen sowie Weichteiltechniken. Durch gezielte Mobilisationen kann die Beweglichkeit des Hüftgelenks verbessert und Schmerzen kurzfristig reduziert werden. Gleichzeitig lassen sich muskuläre Verspannungen lösen und schmerzhafte Schutzspannungen abbauen, wodurch sich Bewegungen häufig leichter und flüssiger anfühlen.

Ergänzend können Wärme- oder Kälteanwendungen sinnvoll sein. Wärme eignet sich insbesondere bei chronischer Gelenksteifigkeit, da sie die Durchblutung fördert, die Muskulatur entspannt und das Bewegungsempfinden verbessert. Kälte wird eher bei akuten Reizzuständen oder nach ungewohnten Belastungen eingesetzt und kann Schmerzen kurzfristig lindern.
Auch Elektrotherapie oder therapeutischer Ultraschall werden in der Praxis häufig angewendet. Sie können einzelne Beschwerden vorübergehend reduzieren, sollten jedoch ausschließlich als Ergänzung zur aktiven Therapie verstanden werden.
Ein wesentlicher Bestandteil der Physiotherapie ist außerdem die Patientenaufklärung. Wer seine Erkrankung versteht, den Nutzen regelmäßiger Bewegung kennt und weiß, welche Belastungen sinnvoll sind, kann aktiv zum Therapieerfolg beitragen. Studien zeigen, dass gut informierte Patientinnen und Patienten ihre Übungen konsequenter durchführen und langfristig bessere Behandlungsergebnisse erzielen.
Bewegung – die wirksamste Therapie
Regelmäßige Bewegung gilt heute als wichtigste konservative Behandlungsmaßnahme bei Coxarthrose. Zahlreiche hochwertige Studien sowie internationale Leitlinien zeigen übereinstimmend, dass ein individuell angepasstes Trainingsprogramm Schmerzen reduziert, die körperliche Funktion verbessert und die Lebensqualität nachhaltig steigert. Gleichzeitig kann regelmäßige körperliche Aktivität dazu beitragen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange zu erhalten.

Zu empfehlen ist Krafttraining, Beweglichkeitstraining, Koordinationsübungen sowie gelenkschonendes Ausdauertraining. Entscheidend ist dabei weniger die Trainingsintensität als vielmehr die regelmäßige Durchführung und eine schrittweise Steigerung der Belastung.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Kräftigung der hüftumgebenden Muskulatur. Vor allem der Große Gesäßmuskel (Musculus gluteus maximus) und die Hüftabduktoren (Musculus gluteus medius) spielen eine wichtige Rolle für die Stabilität des Beckens und die Kontrolle der Beinachse beim Gehen. Ergänzend sollten auch die Oberschenkelmuskulatur sowie die Rumpfmuskulatur trainiert werden, da sie das Hüftgelenk zusätzlich entlasten und alltägliche Bewegungen erleichtern.
Ebenso wichtig sind Beweglichkeitsübungen, um die Gelenkfunktion möglichst lange zu erhalten. Sanfte Mobilisationsübungen können Bewegungseinschränkungen entgegenwirken und alltägliche Aktivitäten wie Schuhe anziehen oder Einsteigen ins Auto erleichtern. Ergänzend verbessern Koordinations- und Gleichgewichtsübungen die neuromuskuläre Kontrolle und reduzieren insbesondere bei älteren Menschen das Sturzrisiko.
Auch funktionelle Übungen sollten fester Bestandteil jeder Therapie sein. Hierzu zählen beispielsweise wiederholtes Aufstehen und Hinsetzen, kontrolliertes Treppensteigen oder eine gezielte Gangschule. Diese Übungen orientieren sich an alltäglichen Bewegungsabläufen und fördern die Selbstständigkeit im täglichen Leben.
Zur Verbesserung der Ausdauer eignen sich gelenkschonende Ausdauersportarten wie Radfahren, Schwimmen, Wandern bergauf, Aquajogging oder Nordic Walking. Sie verbessern die Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit, unterstützen die Gewichtskontrolle und reduzieren dadurch langfristig die Belastung des Hüftgelenks.
Patientinnen und Patienten sollten wissen, dass zu Beginn eines Trainingsprogramms leichte Schmerzen auftreten können. Solange diese während der Belastung gut tolerierbar bleiben und innerhalb von etwa 24 Stunden wieder abklingen, gelten sie als unbedenklich. Viel wichtiger als vollständige Schmerzfreiheit ist die regelmäßige Durchführung des Trainings. Langfristig überwiegen die positiven Effekte einer aktiven Therapie die kurzfristigen Beschwerden deutlich.
Basics Krafttraining Hüfte
Zur Verbesserung der Muskelkraft muss 3-4x/Woche, 3 Wochen lang trainiert werden. Zur Erhaltung der Kraft benötigt der Muskel ein Training von 2x/Woche.
Diese Kraftübungen (siehe Tabelle) helfen, die Hüfte muskulär zu stabilisieren bzw. zu entlasten.

Eine dynamische Kraftmessung (Isokinetik-Test) zur Erfassung der muskulären Situation hilft um:
- die aktuelle Kraft einzelner Muskelgruppen zu messen.
- die Kraftverhältnisse im Seitenvergleich zu beurteilen.
- den Inhalt des Krafttrainings an das Testergebnis anpassen.
Regelmäßigkeit und adäquate Belastung sind das A und O, um Schmerzen zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.