Hüftknick

Hüftschmerzen abseits von Arthrose

Dr. Peter Gföller - Gelenkpunkt
Text: Priv. Doz. Dr. Peter Gföller

Schmerzen im Hüftbereich erschweren den Alltag, stören oft den Schlaf und rauben die Lust an Bewegung. Dabei ist es nicht immer der Verschleiß (Arthrose) des Gelenks, der für die Beschwerden ursächlich ist. Eine Vielzahl von Auslösern kann dafür verantwortlich sein, deshalb ist eine sorgfältige Abklärung unerlässlich, um eine präzise Diagnose zu stellen und eine individuelle Therapie einzuleiten. Dabei geben die Lokalisation, der Zeitpunkt des Auftretens und die Qualität des Schmerzes schon erste Hinweise auf die mögliche Ursache. Eine genaue Anamnese ist deswegen ebenso wichtig wie Informationen über berufliche Belastung und sportliche Betätigungen. 

Seitlicher Hüftschmerz

Viele PatientInnen berichten über seitliche Hüftschmerzen, die vor allem nachts, beim Liegen auf der Seite, seltener auch bei langen Gehstrecken auftreten. Ursächlich dafür ist meist eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica) oder eine Überlastung und Reizung der Sehnen in dieser Region. Frauen sind aufgrund ihres breiteren Beckens häufiger betroffen. Durch eine gezielte Physiotherapie und Kräftigung der seitlichen Hüftmuskulatur sowie physikalische Anwendungen kann in den meisten Fällen eine Heilung erzielt werden. Infiltrationen mit Cortison sollten nur in Ausnahmefällen und einmalig erfolgen.

Schmerzen im Gesäß

Häufigste Ursache sind Verspannungen und Verkürzungen im Bereich der Gesäßmuskulatur. Durch die enge Lagebeziehung dieses Muskels zum Ischiasnerven kann dieser gereizt werden und es entstehen in das Bein ausstrahlende Schmerzen. Das Piriformis-Syndrom lässt sich in vielen Fällen gut durch konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, exzentrisches Training, Stoßwellentherapie und gezielte Dehnübungen behandeln.

Schwierig davon abzugrenzen sind oft Schmerzzustände, die von der Lendenwirbelsäule oder einem Bandscheibenvorfall ausgehen und über das Gesäß in das Bein ausstrahlen. Deshalb ist eine genaue Untersuchung und eventuell eine weitere Abklärung mittels Magnetresonanztomographie in diesen Fällen angezeigt.

Auch Blockaden des Kreuz- Darmbeingelenkes (ISG) verursachen meist einseitige Schmerzen im unteren Rücken, die ins Gesäß ausstrahlen. Moderate Bewegung, Wärmeapplikationen, Physiotherapie und entzündungshemmende Medikamente bringen meist Linderung.

Eine unbehandelte Hüftdysplasie ist bis ins Erwachsenenalter oft symptomlos, jedoch kann sich durch die geringere Kontaktfläche zwischen Kopf und Pfanne eine frühzeitige Arthrose ent­wickeln. @istock/RealPeopleGroup

Schmerzen in der Leiste

Der Leistenschmerz ist mitunter auch für den erfahrenen Untersucher eine diagnostische Herausforderung, da sich in diesem Bereich zahlreiche anatomische Strukturen befinden, die als Schmerzursache infrage kommen. 

Aus orthopädischer Sicht ist beim älteren Menschen sicherlich die Hüftgelenksarthrose am häufigsten. Typisch für diese Erkrankung sind ein Anlaufschmerz sowie eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung. Bei sportlich aktiven Menschen, insbesondere wenn sie Sportarten mit schnellen Richtungswechseln betreiben, sind Zerrungen der Muskulatur in diesem Bereich häufig. Am bekanntesten ist sicherlich die Adduktorenzerrung mit Schmerzen beim Heranziehen des Beines und die Zerrung des Hüftbeugers mit Beschwerden beim Anheben.

Beim Impingement-Syndrom kommt es durch Formveränderungen an Hüftpfanne und Schenkelhals zu einer Einklemmung der Weichteile bei starker Beugung und Innendrehung. Dies führt zu einer Beschädigung der Gelenkslippe (Labrum) und in weiterer Folge können irreparable Knorpelschäden entstehen. Charakteristisch ist ein stechender Schmerz bei starker Hüftbeugung und gleichzeitiger Innendrehung des Beines, aber auch Schmerzen nach Belastung und langem Sitzen, oft ausstrahlend in den vorderen Oberschenkel. Gefährdet sind vor allem junge SportlerInnen mit häufigen Schuss- oder Kickbewegungen wie sie beim Fußball oder Kampfsport auftreten. Eine frühzeitige Abklärung und Therapie ist für die Vermeidung von Spätschäden von entscheidender Bedeutung. 

In milden Fällen kann eine konservative Therapie mit Vermeidung der schmerzauslösenden Bewegung, Koordinationsübungen und Kräftigung der Gesäßmuskulatur zum Einsatz kommen. Das ursächliche mechanische Problem bleibt jedoch weiterhin bestehen, sodass oft ein operativer Eingriff notwendig wird. Dabei kann über eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die Gelenkslippe wieder angenäht und knöcherne Verformungen an der Pfanne und dem Schenkelhals abgetragen werden. Der Erfolg eines solchen Eingriffes hängt wesentlich vom Ausmaß der bereits durch das Impingement entstandenen Gelenksschäden ab.

Durch den vorgeschriebenen Hüftultraschall im Säuglingsalter im Rahmen der Eltern-Kind-Pass Untersuchung sind Hüftgelenksdysplasien bei Erwachsenen in Österreich sehr selten geworden. Dabei handelt es sich um eine Entwicklungsstörung der Hüftgelenkspfanne, welche nur unzureichend ausgebildet ist. Meist kommt es durch eine Behandlung mit breitem Wickeln oder Spreizbandagen zu einer guten Ausformung der Hüftpfanne und es ist später keine weitere Therapie erforderlich. Eine unbehandelte Hüftdysplasie ist bis ins Erwachsenenalter oft symptomlos, jedoch kann sich durch die geringere Kontaktfläche zwischen Kopf und Pfanne eine frühzeitige Arthrose entwickeln. Bestehen aber Beschwerden ohne Arthrose kann mit einer Dreifach-Beckenosteotomie die Pfanne etwas mehr über den Hüftkopf geschwenkt und somit eine bessere Belastungsverteilung erreicht werden.

Eine Hüftkopfnekrose wird durch das Absterben von Knochengewebe im Hüftkopf infolge einer Durchblutungsstörung verursacht. Auslöser können eine Cortisontherapie, übermäßiger Alkoholkonsum oder Brüche des Schenkelhalses sein. Diese Erkrankung zeichnet sich durch starken Belastungsschmerz und eingeschränkte Beweglichkeit aus. Diagnostisch ist in solchen Fällen eine frühzeitige Magnetresonanztomographie entscheidend, da eine konservative Therapie mit Entlastung und Medikamenten nur in der Anfangsphase der Erkrankung zielführend ist. In späteren Stadien kann nur durch ein künstliches Hüftgelenk eine schmerzfreie Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

Weitere Ursachen von Leistenschmerzen sind häufig entzündliche Erkrankungen (z.B. Borreliose), rheumatische Erkrankungen aber auch Erkrankungen im gynäkologischen und urologischen Bereich sowie Tumore.

Hüftschmerzen bei Kindern

Hüftschmerzen bei Kindern bedürfen in allen Fällen einer ärztlichen Abklärung, um Dauerschäden zu verhindern. Beim so genannten Hüftschnupfen handelt es sich um eine harmlose Entzündung des Hüftgelenkes durch eine Immunreaktion nach einem viralen Infekt (z.B. Erkältung, Magen-Darminfekt). Durch den Gelenks­erguss kommt es zu Schmerzen bei Belastung, plötzliches Hinken und Bewegungsschmerzen sind Leitsymptome. Als Therapie sind eine Entlastung und kurzzeitige Schmerzmittelgabe in den meisten Fällen ausreichend. 

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Hüftkopflösung um einen orthopädischen Notfall. Dabei kommt es zu einem Abrutschen des Hüftkopfes vom Schenkelhals entlang der Wachstumsfuge. Betroffen davon sind meist Buben im Alter zwischen 9 und 13 Jahren und die genaue Ursache ist ungeklärt. Eine sofortige operative Stabilisierung ist für eine weitere gesunde Entwicklung des Hüftgelenkes entscheidend.