Herr Doktor, was ist ein Faserknorpel?

Menisken im Knie und das Labrum in Schulter und Hüfte vergrößern die Gelenkpfanne, stabilisieren das Gelenk, verteilen Kräfte und schützen vor Überlastung.

Dr. Peter Gföller - GelenkpunktPD Dr. Christian Hoser - GelenkpunktDDr. Elisabeth Abermann, FA für für Orthopädie und TraumatologiePD Dr. Sepp Braun - Gelenkpunkt
Text: Priv. Doz. Dr. Peter Gföller und Priv. Doz. Dr. Christian Hoser und DDr. Elisabeth Abermann und Sepp Braun

Hüfte

Der ringförmigen Faserknorpel am Rand der Hüftpfanne, das Labrum, spielt eine entscheidende Rolle für die Gelenkmechanik, obwohl das Hüftgelenk knöchern stabil ist. Es vergrößert die Pfanne, verbessert die Kraftverteilung und erzeugt einen sogenannten „Suction Seal“, durch Unterdruck wird der Femurkopf stabil in der Pfanne gehalten. Diese Dichtfunktion ist biomechanisch bedeutsam, da sie den intraartikulären Druck und die Gelenkschmierung unterstützt. Labrumläsionen entstehen häufig im Zusammenhang mit einer biomechanischen Blockade oder sportlicher Überlastung. Typische Symptome sind Leistenschmerzen und mechanische Blockierungsgefühle. Arthroskopisch kann das Labrum refixiert oder rekonstruiert werden. Ziel der chirurgischen Therapie ist der Erhalt der Labrumfunktion und die Wiederherstellung der physiologischen Hüftbiomechanik.
PD Dr. Peter Gföller

Knie

Der Innenmeniskus ist eine C-förmige Faserknorpelscheibe zwischen medialem Oberschenkel und Schienbein. Biomechanisch übernimmt er eine zentrale Rolle bei der Lastübertragung und Stabilisierung des Kniegelenks. Durch seine feste Verbindung mit der Gelenkkapsel und dem Innenband ist er deutlich weniger beweglich als der Außenmeniskus. Diese eingeschränkte Mobilität macht ihn besonders anfällig für Verletzungen bei Rotationsbewegungen des belasteten Knies. Gleichzeitig wirkt der Innenmeniskus als sekundärer Stabilisator bei insuffizientem vorderem Kreuzband. Für den Chirurgen ist die möglichst meniskuserhaltende Therapie entscheidend: Nahttechniken oder Refixationen haben langfristig klare Vorteile gegenüber Teilresektionen, da der Verlust von Meniskusgewebe die Kontaktkräfte im medialen Kompartiment deutlich erhöht und die Arthroseentwicklung begünstigt.
PD Dr. Christian Hoser 

Der Außenmeniskus unterscheidet sich biomechanisch deutlich vom Innenmeniskus. Er ist nahezu ringförmig, weniger fest mit der Gelenkkapsel verbunden und deutlich beweglicher. Diese Mobilität erlaubt ihm, sich den komplexen Roll- und Gleitbewegungen des Oberschenkelkopfs anzupassen. Gleichzeitig übernimmt er eine besonders wichtige Rolle in der Lastübertragung: Ein großer Anteil der Kraft im lateralen Kompartiment wird über den Außenmeniskus übertragen. Daher führt selbst ein kleiner Gewebeverlust zu einem deutlichen Anstieg der lokalen Kontaktbelastung. Klinisch bedeutet dies, dass Resektionen am Außenmeniskus biomechanisch besonders nachteilig sind. Für den Chirurgen hat daher der Meniskuserhalt höchste Priorität. Wenn möglich werden Risse genäht oder refixiert, um die Gelenk­mechanik langfristig zu schützen.
DDr. Elisabeth Abermann

Schulter 

Das beweglichste Gelenk des Körpers ist biomechanisch relativ instabil. Die Gelenkpfanne des Schulterblatts ist klein und flach. Ein ringförmiger Faserknorpel, das Labrum, vergrößert die Gelenkfläche um etwa ein Drittel und vertieft die Pfanne. Chirurgisch relevant ist seine Rolle als Ansatzstruktur für die Gelenkkapsel und die Bänder. Besonders der obere Anteil steht in enger Beziehung zur langen Bizepssehne. Labrumverletzungen entstehen häufig nach Schulterluxationen oder bei wiederholten Überkopfbelastungen. Klinisch zeigen sich Schmerzen, Instabilitätsgefühl oder mechanische Symptome. Arthroskopisch lassen sich Läsionen präzise erkennen und mit Ankern refixieren, um die Stabilität des Gelenks wiederherzustellen.
Prof. Dr. Sepp Braun