Bildgebende Diagnostik bei Schulterinstabilität

Die Schulter – eines der beweglichsten Gelenke im menschlichen Körper

Dr. Roland Prosser, FA für Radiologie, sieht die Anschaffung des neuen MRT-Geräts als Quantensprung.
Text: Roland Prosser

Die Schulter ist eines der beweglichsten Gelenke des menschlichen Körpers aufgrund einer relativ geringen knöchernen Führung. Die Stabilität der Schulter wird maßgeblich durch die Gelenkskapsel, diverse Bänder, die so genannte Gelenkslippe (Labrum) und die umgebende Muskulatur gewährleistet. Bei Verdacht auf eine Instabilität der Schulter – sei es durch eine Verletzung oder auch ohne Trauma – ist eine präzise Bildgebung entscheidend für die weitere Therapieplanung.

Arthro-MRT der Schulter: Der Gelenksraum wurde mit Flüssigkeit „aufgespannt“.
Arthro-MRT der Schulter: Der Gelenksraum wurde mit Flüssigkeit „aufgespannt“.

Nach der klinischen Untersuchung der Patientin/des Patienten mit ausführlicher Anamnese (Befragung über die Beschwerden) stehen mehrere bildgebende Verfahren zur Verfügung:

  1. Projektionsradiographie (Röntgen): Als Basis jeder Abklärung, nach wie vor unverzichtbar. Sie liefert wichtige grundlegende Informationen über die Schulter, Gelenksstellung (Auskugelung?), Fraktur (Oberarmkopf, Gelenkspfanne), Abnützungen, freie Gelenkskörper.
  2. Magnetresonanztomographie (MRT): Mittlerweile der Goldstandard, unter anderem aufgrund der exzellenten Beurteilbarkeit von Bändern, Knorpel und der Muskulatur. Für viele Fragestellungen ist die Nativ-MRT (Untersuchung ohne Kontrastmittel) ausreichend, insbesondere die Beurteilung der so genannten Rotatorenmanschette (Sehnenkappe über dem Oberarmkopf) oder um ein Knochenmarködem darzustellen (Flüssigkeitseinlagerung im Knochen, zum Beispiel nach einer Knochenprellung).
  3. Für manche Fragestellungen ist eine MR-Arthrographie der Schulter unverzichtbar, insbesondere wenn spezielle Strukturen in der Schulter dargestellt werden sollen: Vor der MR-Untersuchung wird durch den Radiologen mit Hilfe einer dünnen Nadel Kochsalzlösung (NaCl) in die Schulter eingespritzt mit dem Ergebnis, dass feine Strukturen im Gelenk, die ansonsten eng aneinander gelagert sind – regelrecht aufeinander „kleben“ – durch die Flüssigkeit „aufgespannt“ werden und so im darauf folgenden MRT voneinander unterschieden und deutlich besser beurteilt werden können. So können Strukturen, die speziell bei instabiler Schulter oft in Mitleidenschaft gezogen wurden, erst recht beurteilt werden (Gelenkslippe, lange Bizepssehne inklusive Sehnenursprung). Das Einspritzen der Flüssigkeit in die Schulter ist generell schmerz- und risikoarm.
  4. Computertomographie (CT): Exakte Darstellung von Knochenstrukturen. Wenn knöcherne Beteiligungen vermutet werden, entweder aufgrund von Verletzungen (insbesondere bei Schulterauskugelungen/Luxation) oder bei angeborener, wiederholter Auskugelung, um die Stellung und Größe der Gelenkspartner darzustellen. 3D-Rekonstruktionen der Schulter erlauben eine räumliche Darstellung der Gelenksverhältnisse und ermöglichen auch mit einem speziellen Subtraktionsverfahren für die genaue Diagnose störende Gelenksanteile „herauszurechnen“, um z. B. die Gelenkspfanne isoliert darzustellen.
Das 3D-Schulter-CT zeigt die genaue Darstellung der Fraktur am Pfannenrand.
Das 3D-Schulter-CT zeigt die genaue Darstellung der Fraktur am Pfannenrand.

Maßgeblich für eine rasche und exakte Diagnose und die richtige weiterführende Behandlung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen behandelndem Arzt und Radiologe, um die zielführende bildgebende Modalität festzulegen.