Laufen gegen den Zucker

Wie Sport und Bewegung bei Diabetes helfen


Text: David Will
Wenn Menschen mit Diabetes sporteln, immer mit dabei: ein Blutzuckermessgerät. © istock

In Österreich sind rund 600.000 Personen von Diabetes mellitus betroffen. Und die Tendenz steigt – insbesondere beim Typ 2, meist hervorgerufen durch einen ungesunden Lebensstil. Auch Prädiabetes, also das erhöhte Risiko eine Blutzuckererkrankung zu entwickeln, ist auf dem Vormarsch. Neuesten Auswertungen zufolge betrifft das in Österreich jeden fünften Erwachsenen. In der Behandlung und Prävention der Krankheit gilt regelmäßige Bewegung als eine der wichtigsten Säulen. Welche Effekte Bewegung auf den Blutzuckerspiegel hat und worauf DiabetikerInnen achten sollten, darüber spricht Dr. David Vill, Facharzt für Innere Medizin, heute mit Leben à la carte.

Welche Rolle spielt körperliche Bewegung in der Vorbeugung und Behandlung von Diabetes mellitus?

Regelmäßige körperliche Bewegung verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit und ist für alle Menschen gesundheitswirksam. Das gilt insbesondere für Patienten mit erhöhtem Diabetes­risiko, sprich übergewichtige Personen oder Personen mit einem Prädiabetes. Denn Übergewicht, ein ungesunder Lebensstil mit unausgewogener Ernährung und fehlender körperlicher Betätigung sind der Hauptgrund für die weltweite Zunahme des Typ-2-Diabetes. Körperliche Aktivität ist nicht nur eine Ergänzung zu medikamentösen Maßnahmen, sondern sie bildet die Grundlage jeder Therapie.

Wie beeinflusst Bewegung konkret die Insulinempfindlichkeit?

Dem Typ-2-Diabetes liegt als Ursache eine Insulinresistenz zugrunde, also die Unempfindlichkeit des Körpers auf das körpereigene, blut­zuckersenkende Hormon Insulin. Diese wird
sowohl durch Ausdauer- als auch durch Krafttraining grundlegend positiv beeinflusst.

Welche Bewegungsformen empfehlen Sie DiabetikerInnen?

Jede Bewegung ist besser als keine. Für einen substanziellen gesundheitlichen Nutzen sind aber wöchentlich mindestens 150 Minuten aerobe Aktivität mit mittlerer Intensität und zusätzlich Krafttraining im Ausmaß von mindestens 75 Minuten nötig. Mittlere Intensität lässt sich grob mit dem „Talk-Test“ bestimmen: Sie können sich während der Aktivität noch unterhalten, aber nicht mehr singen. 

Gibt es Risiken oder besondere Vor­sichtsmaßnahmen, die Menschen mit Diabetes beim Sport beachten sollten?

Das hängt von der medikamentösen Therapie ab: Moderne blutzuckersenkende Medikamente – abseits von Insulin – haben ein sehr niedriges Risiko einer Unterzuckerung. Bei insulinisierten PatientInnen gilt: Je intensiver die Behandlung, desto höher das Risiko einer Unterzuckerung. Daher müssen etwa Typ-1-DiabetikerInnen speziell geschult werden, wie sie während des Sports damit umgehen. Generell gilt: Das Blutzuckermessgerät sollte immer mit dabei sein, ebenso wie ein Stückchen Traubenzucker.