Kniescheibe auf Abwegen

Michael Scheinecker
Text: Michael Scheinecker
Beinachsentraining

Eine Patellaluxation bzw. Instabilität der Kniescheibe kann durch einige Faktoren begünstigt werden. Viele davon sind der individuellen Anatomie geschuldet und können auch mit der besten Physiotherapie nicht geändert werden. Daher funktioniert manchmal eine rein konservative Therapie nicht, obwohl Übungen und Training konsequent durchgeführt werden. Häufig ist aber eine strukturierte Physiotherapie die Lösung des Problems.

Um diejenigen herauszufiltern, die keine Operation benötigen, ist eine genaue ärztliche Untersuchung mit Bildgebung, auch nach der ersten Luxation, notwendig. Falls die anatomischen Risikofaktoren und die Gefahr einer erneuten Luxation hoch sind, sollte operativ behandelt werden. Teilweise sind das junge Alter und die nicht verschlossenen Wachstumsfugen allerdings ein Grund, weshalb Operationen erst zu späteren Zeitpunkten durchgeführt werden.

Tape zur Wahrnehmungsförderung

Physiotherapie

Zu Beginn ist das Ziel der Therapie, die Schwellung und Schmerzen zu reduzieren, das Gangbild zu normalisieren und die Beweglichkeit schmerzadaptiert zu verbessern. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Fähigkeit, den vorderen Oberschenkelmuskel anspannen zu können. Dies wird nicht nur wegen des Traumas, sondern auch auf Grund der Schwellung und der Schmerzen gehemmt. Um dem entgegenzuwirken, sollte besonders vor dem Training das Knie mit Eis gekühlt werden. 

In den ersten zwei Wochen, ist es oftmals ausreichend, wenn der vordere Oberschenkelmuskel ohne Bewegung im Kniegelenk angespannt wird. Zusätzlich kann man bereits die Gesäßmuskulatur in Seitlage bzw. Bauchlage trainieren.

Im weiteren Reha Prozess muss das Gangbild normalisiert werden. Weiters rückt ein gezieltes Beinachsentraining in den Vordergrund. Oftmals können Patienten z.B. Landungen und Ausfallschritte nicht adäquat stabilisieren da sich die Knie zueinander „drehen“ (Hüftinnenrotation) oder sie kompensieren viel über Rumpfbewegungen. Daher ist es sehr wichtig, die Hüftaußenrotatoren, die Gesäßmuskeln und den Rumpf, zusätzlich zur Oberschenkelvorderseite und zum dynamischen Gleichgewicht, zu trainieren. 

Am Ende der Reha sollte ein gutes Kraft­niveau, eine gute Kontrolle der Beinachse bei Landungen und Richtungswechsel, sowie Vertrauen in das Kniegelenk erreicht werden. Um dies zu überprüfen, lohnt es sich, einen Back to Sports Test durchzuführen.

In Fällen, bei denen die knöcherne Stabilität nicht vorhanden ist, z. B. bei Luxationen von Kindern mit Trochleadysplasien, welche chirurgisch noch nicht adressiert werden konnten, sollte die Belastung auf das Gelenk reduziert bleiben. 

Die Therapie nach einer Operation verfolgt die gleichen Ziele, wie die der konservativen. Je nach Operation verändern sich Entlastungszeiten und Bewegungslimitationen. Daher muss der behandelte Arzt genaue Vorgaben machen, um eine zielgerichtete Reha zu ermöglichen.

Beugungsmobilisation mittels Funktionsmassage