Leben ala Carte 1603

Wohlbefinden statt Wohlstandskrankheit

Gesundes Essen in guten wie in schlechten Zeiten

Dr. Theresa Propst-Braunsteiner, Fachärztin für Innere Medizin
Text: Theresa Propst-Braunsteiner

Im Zentrum des Essens sollte der Genuss stehen. Dass die Menschen aber inzwischen oft zu viel genießen, zeigt sich an der Zunahme der Wohlstandskrankheiten. Schon Sokrates meinte: „Wir leben nicht um zu essen, sondern wir essen um zu leben“. Dr. Theresa Propst-Braunsteiner, Fachärztin für Innere Medizin und Belegärztin in der Privatklinik Hochrum, spricht mit uns im Interview über die Bedeutung einer gesunden Ernährung.

 

An der Privatklinik Hochrum achtet die Küche auf eine ausgewogene Ernährung, die auch kulinarisch etwas zu bieten hat. Insbesondere werden die besonderen Bedürfnisse nach Operationen berücksichtigt.
An der Privatklinik Hochrum achtet die Küche auf eine ausgewogene Ernährung, die auch kulinarisch etwas zu bieten hat. Insbesondere werden die besonderen Bedürfnisse nach Operationen berücksichtigt.

 

Frau Dr. Propst-Braunsteiner, was genau versteht man unter einer „gesunden“ Ernährung?
Im Alltag machen wir uns oft nicht bewusst, was und wie wir essen. Meist ist es zu viel und zu fett und oft nehmen wir uns nicht mehr die Zeit, selber zu kochen. Das hat natürlich mit Stress und mit unserer Wohlstandsgesellschaft zu tun. Die Ernährung ist einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um die Gesundheit geht. Für viele Menschen gilt daher, dass ihre Ernährung gesünder wird, wenn sie tierische Fette, Fleisch und Zucker – und hier vor allem zuckerhältige Getränke – reduzieren. Im Gegenzug sollten dafür mehr Obst, Gemüse und pflanzliche Fette auf dem Speiseplan stehen. Zudem sollte man regelmäßig körperlich aktiv sein. Das ist jetzt nicht direkt Teil der Ernährung, aber heutzutage so wichtig, dass auch Ernährungsmediziner immer darauf pochen.

Heißt das, die Ernährungspyramide hat noch Gültigkeit?
Großteils ja. Allerdings gibt es in der Forschung immer wieder neue Erkenntnisse, die sich auf die Pyramide auswirken. So sind heute z. B. auf der untersten Stufe die Getränke (Wasser, Tee, verdünnte Säfte), die früher in der Pyramide gar nicht vorgekommen sind. Auf der nächste Stufe sind auch nicht mehr die Kohlehydrate (Reis, Brot, Nudeln, Kartoffeln), sondern Obst und Gemüse. Ihre Wichtigkeit für die menschliche Ernährung ist früher ein wenig unterschätzt worden. Heute weiß man: Wir sollten täglich fünf Portionen davon essen, was je einer faustgroßen Menge entspricht. Fisch darf auch ein- bis zweimal pro Woche serviert werden, wobei fettreiche Seefische (Lachs, Hering) oder heimische Kaltwasserfische wie der Saibling aufgrund der gesunden Fettsäuren bevorzugt werden sollten. Fleisch sollten wir hingegen maximal 3-mal pro Woche essen.

 

Obst und Gemüse sind aufgrund der wertvollen Inhaltsstoffe für die menschliche Gesundheit besonders wichtig. Quelle: „DEBInet (www.ernaehrung.de)“
Obst und Gemüse sind aufgrund der wertvollen Inhaltsstoffe für die menschliche Gesundheit besonders wichtig. Quelle: „DEBInet (www.ernaehrung.de)“

 

Und wie sollte der Ernährungsplan bei einer Krankheit oder nach einer Verletzung aus­sehen?
Bei einer Krankheit kommt es ganz darauf an, welche Krankheit es ist, z. B. sind Gicht oder Diabetes sehr gut durch eine bestimmte Ernährungsweise beeinflussbar. Nach einer Verletzung ist der Fall hingegen klar: Während der Erholungsphase kann sich aufgrund der Inaktivität der Stoffwechsel verändern, damit kann ein Muskelschwund (Muskelatrophie) einhergehen. Um diesen zu vermeiden, braucht der Körper acht Aminosäuren. Die sind die „Bausteine“ aus denen der Körper Eiweiß aufbauen und so den Muskelschwund reduzieren kann. Eine wichtige Rolle spielt da vor allem die Aminosäure Leucin, die in vielen Nüssen, Hülsenfrüchten, Rind, Huhn oder Milch vorkommt. Außerdem muss der Körper nach einer Operation ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Wenn man auf ein adäquates Ess- und Trinkverhalten achtet, kann der Heilungsprozess schneller und effektiver verlaufen.