Gut eingestellt

Unbeschwert Ski fahren mit Kunstgelenk

Doris AuerFabian Klaffenböck
Text: Doris Auer und Fabian Klaffenböck

Will man die Skisaison mit einer Knie­totalendoprothese (K-TEP) problemfrei genießen, ist eine gezielte Vorbereitung ein MUSS. Unsere jahrelange Erfahrung zeigt, die optimale Vorbeugung steht auf vier Säulen: Krafttraining, aktive Regeneration, Koordinationstraining, physiotherapeutische Kniepflege

 

 

Gut eingestellt - Unbeschwert Ski fahren mit Kunstgelenk

Kraft schützt Knie

Ein Isokinetik-Test (dynamische Muskelkraftmessung) und ein sportmotorischer Test bilden die Grundlage für das Trainingsprogramm. Gemessen werden die Kraftverhältnisse der vorderen (Strecker) und hinteren (Beuger) Oberschenkelmuskulatur im Seitenvergleich, die absolute Kraft, die relative Kraft (Verhältnis zum Körpergewicht), die Beuger-/Streckerrelation, der time-to-peak (wie schnell wird das Kraftmaximum erreicht). Muskelumfang, Schnellkraft und Koordination werden ermittelt. Ziel ist, vorhandene Defizite und Seitendifferenzen auszugleichen und ein skiadäquates Kraftniveau herzustellen um das Kniegelenk zu schützen. Wenn am Ende der Kraft keine Schwünge übrig bleiben, war das Training erfolgreich.

Eine Kraftverbesserung erzielt man durch drei bis vier Einheiten pro Woche. Drei Wochen Training und eine Woche aktive Regeneration sind das Grundgerüst des Erfolgs. Zwei bis drei Trainingszyklen haben sich bewährt. Eigenkörpergewichtsübungen für die Rumpfmuskulatur und Training an Geräten, bzw. mit der freien Hantel für die Beinmuskulatur sind goldener Standard. Bei Seitendifferenzen (> 10%) kommen einbeinige Übungen und mehr Sätze auf der schlechteren Seite zum Einsatz. Um eine Anpassungsreaktion (Kräftigung) hervorzurufen, ist die Ausbelastung des Muskels bei jedem Satz Voraussetzung. Die Wiederholungszahl pro Übung richtet sich nach dem gewünschten Effekt:

Aktive Regeneration

10 – 20 Min. Ausradeln oder Bewegung im Wasser unmittelbar nach dem Training, fördert die Durchblutung und beschleunigt den Abtransport von Stoffwechselprodukten. 30 – 40 Min. Ausdauertraining im moderaten Bereich (Rad, Gehen, Schwimmen) an den Tagen zwischen den Krafteinheiten. 20 Min. Dehnen der beanspruchten Muskulatur verbessert  die Bewegungsamplitude.

 

 

Gut koordiniert

Koordinationstraining ist mehr als nur Einbeinstand!
Die koordinativen Fähigkeiten sind im Skisport, vor allem nach einer K-TEP Operation, von enormer Wichtigkeit. Gute Koordination ist die Kompetenz, Bewegungsaufgaben schnell, effizient und ökonomisch lösen zu können. Sieben Komponenten sind dafür entscheidend.

Kopplungsfähigkeit
Bewegungen von Extremitäten, Rumpf und Kopf gezielt zu einer Gesamtbewegung kombinieren.
Skifahren: Kopplung von Arm- (Stockeinsatz) und Beinarbeit
Training: Seilspringen, Hampelmann, Laufen mit Armkreisen

Differenzierungsfähigkeit
Abstimmung der Bewegungen auf Genauigkeit und Ökonomie.
Skifahren: Tempo variieren, Ski exakt auf Kante stellen
Training: einbeinige und beidbeinige Sprünge in verschiedenen Höhen

Gleichgewichtsfähigkeit
Den Gleichgewichtszustand zu halten bzw. wiederherzustellen.
Skifahren: stabil auf den Skiern stehen, Wiederherstellen des Gleichgewichts nach dem Schwungwechsel
Training: Balancieren auf Kreisel, Luftkissen, etc., einbeinige Landungen nach Sprüngen

Orientierungsfähigkeit
Lage des Körpers im Raum nach Bewegungsänderungen richtig wahrnehmen.
Skifahren: neben anderen fahren, Veränderung der Körperposition im Kurvenverlauf
Training: Ball fangen nach einer Drehung um die Körperlängsachse

Rhythmisierungsfähigkeit
Einen Bewegungsablauf rhythmisch gestalten
Skifahren: Tore und Wellen fahren, Schwingen auf Zuruf
Training: Laufschule, Koordinationsleiter, Seilspringen

Reaktionsfähigkeit
Schnelle Bewegungsausführung auf Signal
Skifahren: Hindernisparcour, Wechselnde Pisten- und Gelände­bedingungen.
Training: Bewegungen auf Kommando, Ballspiele

Umstellungsfähigkeit
Situationsveränderungen während der Bewegung wahrnehmen und danach handeln.
Skifahren: wechselnde Pistenbeschaffenheit
Training: Richtungsänderung auf Zuruf

Trainingsprinzipien

  • Vom Leichten zum Schweren
  • Vom Einfachen zum Komplexen
  • Vom Statischen zum Dynamischen
  • Vom Bekannten zum Unbekannten
  • Wiederholen ohne zu Wiederholen.