Ich kann nicht schneller zuhören!

Wieviel Zeit braucht ein Arzt zum Zuhören und Reden? Darüber kann man lange reden.

Illustration: Peng
Illustration: Peng

 

Ein echter Kracher ist da einem deutschen Arzt mit seiner Aussage „Ich kann nicht schneller zuhören!“, gelungen. „Das Gespräch mit dem Patienten ist oftmals die beste Medizin“, legt eine Ärztin im Interview nach. Ein Unfallchirurg von Weltrang sagt mir: „Ich kann mit keinem Menschen länger als 30 Minuten über sein Knie reden. Alles darüber hinaus ist Gesprächstherapie. Dafür habe ich Verständnis, bin aber dafür nicht ausgebildet“.

Nebenbei bemerkt, wenn es in der (Notfall-)Medizin wirklich um etwas geht, wird nicht zugehört, sondern abgehört, (Puls) gefühlt, geschaut, getastet. Zuhören ist ein wichtiger Bestandteil der Anamnese, aber weitgehend in der Komfortzone der ärztlichen Betreuung angesiedelt.

Die Zeit, die man für einen Patienten aufwenden kann, ist unstrittig ein wichtiger Faktor. Wenn man nicht die Zeit hat, dem Patienten adäquat zu helfen, ist das Desaster programmiert. Grundsätzlich wünscht sich der Patient immer eine möglichst kurze Behandlungsdauer, ob beim MR, bei jeder Operation, erst recht bei einer orthopädischen Manipulation. Oftmals verzichtet man auch gerne auf ein langes Gespräch, z.B. im Falle eines grippalen Infekts.

Die Dauer sagt auch nichts über die Qualität aus, denn auch lange Gespräche bringen oft nicht den erwarteten Output. Wie bei der Behandlung selbst, ist auch in der Kommunikation Effizienz gefragt. Mark Twain schrieb an einen Freund: „Entschuldige, dass ich Dir drei Seiten schreibe, ich hatte nicht die Zeit für eine Seite“.

Beschwert sich ein Patient über fehlende Zeit des Arztes, geht es im Kern oftmals darum, nicht genügend ernst genommen zu werden. Zeit ist die eine Währung, echte Zuwendung die andere. Das Zauberwort heißt Wertschätzung.
Hören ist passiv, zuhören ist aktiv!